Was ist eine umfassende Web-Überwachung wert?

Facebook zwingt seine Benutzer ab heute, die neuen AGBs zu akzeptieren – oder ihr Profil zu löschen und dem Dienst den Rücken zu kehren. Der Aufschrei unter den Benutzern ist groß, doch viele von ihnen wären auch nicht bereit, Facebook für die Bereitstellung der Plattform zu bezahlen; dabei verursachen Betrieb und Weitereentwicklung natürlich enorme Kosten. Interessant finde ich die Frage, wie viel ein Benutzer für Facebook bezahlen müsste, damit der Umsatz (und der Gewinn) des Unternehmens gleich bliebe.

Facebook kennt die eigenen Benutzer ziemlich genau: Neben strukturiert bereitgestellten Informationen (Name, Geschlecht, Geburtsdatum, etc.), dem sozialen Graphen aus Freundschaftsbeziehungen, Meta-Informationen auf Fotos und den verbreiteten und geteilten Inhalten auf der Plattform verfolgt das Unternehmen über flächendeckend im Web verteilte Like-Buttons auch Surfgewohnheiten und erhält so ein umfassendes Bild über etwa eine Milliarde Menschen (1,39 Mrd. monatlich aktive inklusive 890 Mio. täglich aktive Nutzer).

Dass Facebook ausschließlich von der Monetarisierung dieser gesammelten Informationen über die Bereitstellung zielgerichteter Werbung und detaillierten Analysefunktionen lebt, ist kein Geheimnis. Und damit lebt es sich recht gut, denn Zuckerberg konnte für 2014  einen Gewinn von 2,94 Mrd. US-Dollar bei einem Umsatz von 12,47 Mrd. Dollar ausweisen. Dieser Umsatz wird beinahe ausschließlich durch Werbeeinnahmen, also die Vermarktung der Nutzerprofile erzielt.

Sollte der Dienst kostenpflichtig sein, würde er natürlich nur noch von den Menschen genutzt werden, die ihn auch regelmäßig benutzen. Insofern könnten die Kosten auch nur diesen aufgebürdet werden. Für den letztjährigen Umsatz von 12,47 Mrd. Dollar müssten also zumindest die taäglich aktiven, evtl. die monatlich aktiven Nutzer aufkommen. Diese hätten somit pro Jahr einen Betrag von 8,98 $ bzw. 14,01 $ zu bezahlen – etwa 1,00 € pro Monat!

Gut, es mag noch einige Fake-Profile geben, die natürlich ebenfalls nicht weiter existieren würden und natürlich müsste Facebook die Preise international staffeln, da ein Nutzer aus einem ärmeren Land diesen Betrag vermutlich nicht entrichten könnte. All dies zusammengenommen kann man von einer monatlichen Belastung des Nutzers in Industrieländern von vielleicht 2,00 € ausgehen.

Doch wie steht es mit dem Gewinn Facebooks? Ich behaupte, dass dieser sogar steigen würde, da das Unternehmen nicht mehr auf dem Werbemarkt konkurrieren und Akquise von Werbekunden betreiben müsste. Auch könnten sämtliche Kosten, die in Erforschung neuer Auswertungs- und Tracking-Methoden zur detaillierteren Erzeugung von Nutzerprofilen investiert werden, eingespart werden.

Facebook ließe sich also ohne Umsatzeinbuße werbefrei betreiben, wenn jeder Nutzer bereit wäre, einen äußerst geringen Obulus zu entrichten. Dass dies nicht passieren wird, zeigt das Beispiel von Threema – die einmalige Investition von knapp 2,00 € für eine sichere Messenger-App ist eine unüberwindbare Hürde für viele Smartphone-User. Und natürlich wäre Facebook auch nicht bereit, auf ein potentielles Wachstum durch detailliertere Nutzerprofile zu verzichten…

[Update 19.12.2015]

Facebook hat inzwischen selbst detailliertere Zahlen veröffentlicht: http://heise.de/-2878177

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